Kurzfassung Landschaftsentwicklungskonzept (LEK) Litzibuch

 

Das LEK Litzibuch behandelt die Aspekte historische Landschaftsentwicklung, Boden und Wasser, die Artenvielfalt, die Landschaftsästhetik, die Erholungseignung und den Verkehr. Es umfasst die gesamte Landschaft mit der landwirtschaftlichen Nutzfläche, dem Siedlungsbereich und dem Wald.

Historische Landschaftsentwicklung: Die mittelalterliche Rodungsinsel Litzibuch gehörte bis zum zweiten Weltkrieg zu einem der biologisch reichhaltigsten Landschaftsräume in der Region. Während der Melioration 1943/44 wurde die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche mit einem dichten Drainagenetz überzogen. Die Feuchtgebiete, Hecken, offenen Bäche und Gräben wurden dabei vollständig entfernt. In der 46 ha umfassenden LN verschwanden ein mehrere Hektaren umfassendes, reich strukturiertes Feuchtgebiet, 1500 m markante Baum- und Niederhecken (v.a. entlang von Bächen und Gräben), und rund 2000 m Bäche und Gräben (wobei ein Grossteil dieser Lebensräume nördlich ausserhalb der damals und gegenwärtig vom Hof Litzibuch bewirtschafteten Flächen lag). Zudem sind v.a. in nachfolgenden Baumfäll­aktionen zwischen 1960 und 1970 Hunderte von Hochstamm-Obstbäumen und markanten Feldbäumen und 4 landschaftsprägende Alleen von mehreren 100 m Länge mit mächtigen Bäumen eliminiert worden (Details siehe Karten- und Fotodokumentation).

In den aktuellen kommunalen und regionalen historischen und naturkundlichen Inventaren sind im Perimeter lediglich ein geomorphologisches Objekt, eine wechselnasse artenreiche Waldwiese und drei historische Verkehrswege vermerkt, alle von lokaler bis regionaler Bedeutung. Eine Lebensraumkartierung ergab auf der LN des Betriebes Litzibuch 22 Ausgleichsflächen-Objekte mit einer Fläche von 4,5 ha, das sind 14% der LN des Hofes Litzibuch. Die Qualitätsanforderungen der ÖQV erfüllen derzeit allerdings nur 2 ha, wovon etwas mehr als 1 ha seit dem Jahre 2000 neu angelegt bzw. wieder in die Nutzung aufgenommen wurde. - Ausserhalb der vom Hof Litzibuch bewirtschafteten Flächen sind im schattigen Waldrandbereich einige artenarme ökologische Ausgleichsflächen vorhanden.

Die in den vergangenen zwei Jahren auf den Flächen des Hofes Litzibuch durchgeführten Arterhebungen ergaben das Vorkommen von 210 Pflanzenarten in der LN und rund 120 Arten im Wald, von 45 brütenden Vogelarten, 4 relativ individuenreichen Grossäugerarten sowie 14 Tagfalter- und 10 Heuschreckenarten (alle autochthon, also sich im Gebiet fortpflanzend). Von den lediglich in Einzelindividuen festgestellten 4 Amphibien-, 1 Reptilien- und 4 Libellenarten dürften 2-3 Arten aus Populationen im Perimeter stammen. Bei der überwiegenden Anzahl der festgestellten Arten und bei fast allen individuenreicheren Arten handelt es sich um verbreitete Generalisten.

Zur Herleitung von Zielen für die Entwicklung der Landschaft wurden 10  Leitarten gewählt. Es sind dies Arten, die für reich strukturierte Kulturlandschaften unter den hier gegebenen Voraussetzungen typisch sind und mit denen gleichzeitig eine Vielzahl weiterer Arten gefördert werden kann.

Als Wirkungsziele für die Landschaftsentwicklung wurden drei Schlüsselbereiche identifiziert:

1    Vernetzen durch punktuelle und streifenförmige neue Elemente in der landwirtschaftlichen Nutzfläche (Gehölzstrukturen, Lesesteinhaufen, artenreiche Saumstreifen, Buntbrachen, extensiv genutzte Wiesenstreifen).

2    Den Übergangsbereich Feld - Wald durchlässiger machen, ausdehnen, besser verzahnen.

3    Aufwerten bestehender, gegenwärtig nicht besonders artenreicher Lebensräume im Rahmen der wirtschaftlichen Tragfähigkeit der Land- und Forstwirtschaft: Wald auflichten & teilweise durch Beweidung licht halten, andere Waldteile aus der Nutzung entlassen; Gewässer renaturieren und neu schaffen; neue oder erweiterte Hochstamm-Obstgärten, Alleen und kleine Feldgehölze schaffen; Wies- und Ackerland biologisch oder schonend integriert bewirtschaften und einige Fruchtfolgeflächen auf Dauergrünland umstellen.

Dazu kommen einige rein ästhetisch motivierte Ziele. Gestaltungsmassnahmen mit Gehölzen im Bereich der Verkehrswege und des Weilers Litzibuch, der Vorschlag einer Umnutzung der als Abkürzung dienenden, einspurigen Durchgangsstrasse in einen Velo- und Wanderweg sowie die Ausscheidung eines regionalen Erholungs-Vorranggebietes stehen im Vordergrund.

Die im Konzept entwickelten, teilweise unkonventionellen Massnahmen ermöglichen eine markante Aufwertung der landwirtschaftlich intensiv genutzten Landschaftskammer, ohne die wirtschaftliche Basis und die Produktionskapazität des Betriebes Litzibuch zu schmälern. Einige der Vorschläge – vor allem die geregelte extensive Waldweide, die im Konzept eine Schlüsselstellung einnimmt, weil sie einen wesentlichen Teil weiterer Massnahmen wirtschaftlich erst ermöglichen würde – benötigten eine kantonale Bewilligungen (nach Rekurs in erster Instanz leider abgelehnt). Ein wesentlicher Teil der übrigen Massnahmen ist bereits umgesetzt.

 

Den aktuellen Stand der ökologischen Aufwertungsmassnahmen erfahren Sie hier.

 

©Andreas Bosshard, Litzibuch, Büro Ö+L, CH-8966 Oberwil-Lieli