Seitenanfang
Ö+L Büro für Ökologie und Landschaft Ö+L Büro für Ökologie und Landschaft Ö+L Büro für Ökologie und Landschaft
Ö+L Büro für Ökologie und Landschaft Ö+L Büro für Ökologie und Landschaft
AktuellÜber unsAngeboteProjektePublikationenKontaktEnglish VersionHofprojekt LitzibuchBegrünungen

 


Forum Landschaftsaufwertung

Zum Gebrauch der Ideen-Checkliste Natur & Landschaft

(Quelle: s. unten)

Die Ideen-Checkliste ist auf die Planung von Massnahmen auf dem einzelnen Landwirtschaftsbetrieb und auf betriebsübergreifende, gesamtlandschaftliche Projekte, Meliorationen, Biotopvernetzungskonzepte, Landschaftsentwicklungsprogramme, Kommunalplanungen zugeschnitten. Zu den meisten Massnahmen sind Literaturhinweise aufgelistet, die bei Fragen zu Umsetzungstechniken, regionaler Eignung, besonderen Problemen oder Integration in den Betrieb weiterhelfen können. Die Massnahmen sind thematisch geordnet. Die Auflistung deckt Naturräume der Schweiz und Deutschlands ab. Einbezogen ist die landwirtschaftliche Nutzfläche, der Hofbereich, der Wald sowie verbreitete, nicht landwirtschaftlich genutzte Biotope innerhalb der offenen Kulturlandschaft.

Die Checkliste soll zunächst Ideen liefern. Bei der Planung eines Projektes schlagen wir vor, in einem ersten Schritt diejenigen Massnahmen anzukreuzen, die grundsätzlich in Frage kommen. In einem zweiten Schritt sind Prioritäten zu setzen und die Zahl der ausgewählten Massnahmen einzugrenzen. Diese Auswahl kann, beispielsweise auf einem Landwirtschaftsbetrieb, ganz pragmatisch anhand der Betriebsziele und der Standortskenntnisse des Bewirtschafters erfolgen. Für eine Planung im grösseren Massstab, die durch externe Fachleute durchgeführt wird, beispielsweise ein Landschaftsentwicklungskonzept, ein Vernetzungsprojekt oder eine Melioration, schlagen wir folgendes Vorgehen vor:

2a) Übergeordnete Prioritäten abklären: Für welche Arten und Lebensräume hat die Region eine besondere Verantwortung (Zielarten)?

Bestehen bereits übergeordnete Leitbilder oder Entwicklungskonzepte, in denen prioritär zu entwickelnde Lebensräume und prioritär zu fördernde Arten hergeleitet worden sind?

2b) Spezifisches biologisches Landschaftspotenzial abklären: Welche Arten sind für die Region charakteristisch (sogenannte Leitarten), und welche Lebensraumansprüche stellen diese Arten (à Herleitung von Zielwerten zur Förderung dieser Leitarten)?

Welche Arten und Lebensräume kamen früher im Umfeld vor, und welche können sinnvollerweise wieder angesiedelt bzw. entwickelt werden?

Bestehen bereits für einzelne Lebensräume oder Arten Zielwerte?

2c) Vernetzungsanforderungen abklären: Wo sind, unabhängig von standörtlichen Potenzialen, Verbindungen und Trittsteine zu schaffen?

Welche Lebensraumtypen erfüllen die Verbindungsfunktionen am besten?

2d) Spezifische abiotische Anforderungen abklären: Wo bestehen Flächen mit standörtlichen oder nutzungstechnischen Bedingungen, die sich für ökologische Aufwertungen besonders gut eignen (z.B. steile oder schlecht erschlossene Flächen, Randparzellen, flachgründige Böden, zur Austrocknung neigende Waldrandpartien, vernässende Senken, Säume)?

Bestehen Naturschutzgebiete oder andere wertvolle, störungsempfindliche Lebensräume, die durch eine Pufferzone besser von Düngereintrag oder andere Beeinträchtigungen geschützt werden sollen?

Bestehen Grundwasserschutzzonen oder erosionsgefährdete Hänge, die sich für bestimmte Extensivierungsmassnahmen besonders anbieten?

2e) Landschaftsästhetische Anforderungen abklären: Welchen Charakter weist die Landschaft auf?

Welche Elemente und Lebensräume tragen dazu bei, um deren Schönheit, Eigenart und Vielfalt zu fördern?

Aufgrund dieser Vorüberlegungen lässt sich die in Schritt 1 getroffene Vorauswahl nochmals eingrenzen und auf die naturräumlichen Verhältnisse, die spezifischen Potenziale der Landschaft und auf die Projektanforderungen zuschneiden. Wichtig erscheint uns, dass ein Sammelsurium an Massnahmen vermieden und die Landschaft konsistent auf einen Charakter und eine Einheit hin zu gestalten versucht wird.

Ein praktisches Beispiel für dieses Vorgehen sei hier an einem Beispiel beschrieben.

Landschaftsaufwertung Hof Litzibuch mithilfe der Checkliste

Der Schweizer Landwirtschaftsbetrieb Litzibuch wurde im Frühjahr 2000 neu verpachtet. Die Aufwertung der Landschaft nach ökologischen und ästhetischen Gesichtspunkten, unter Wahrung der derzeit wirtschaftlich und agronomisch guten Produktionskapazität, gehört seither zu einem Hauptanliegen des Betriebes. Die 41 ha Betriebsflächen liegen arrondiert um den Hof in einer sanft gewellten, durch eiszeitliche Gletscher geformten und von Wald umgebenen Geländewanne auf 600 m.ü.M.. 31 ha sind intensiv genutztes, bis auf kleine Flächen artenarmes Wies- und Ackerland, der Rest Wald. Ein betriebliches Landschaftsentwicklungskonzept sollte die fachlichen Grundlagen legen und auf die spezifische landschaftliche Situation zugeschnittene Perspektiven entwickeln für eine Landschaftsaufwertung auf den Betriebsflächen, und zwar im Einklang mit den land- und forstwirtschaftlichen Ansprüchen. Das Konzept behandelt die Aspekte abiotische Umwelt (Boden, Wasser), die Biodiversität und die Landschaftsästhetik gemäss den in der Einleitung genannten Schritten. Es umfasst die landwirtschaftliche Nutzfläche (LN), den Siedlungsbereich und den Wald. Für die Landschaftsentwicklung wurden aufgrund dieser Voruntersuchungen vier Schlüsselbereiche identifiziert: 1 Vernetzen durch punktuelle und streifenförmige neue Elemente in der LN ohne optisch trennende Wirkung. 2 Den Übergangsbereich Feld -Wald durchlässiger machen und ausdehnen. 3 Deutlich höhere Artenvielfalt innerhalb der bestehenden, gegenwärtig nicht besonders artenreichen ökologischen Ausgleichsflächen, insbesondere auf abiotisch sensiblen Flächen (Erosion, Grundwasserschutz) sowie solchen mit guten Standortsbedingungen für artenreiche Lebensräume. 4 Erhaltung und Aufwertung der Landschaft als vorrangiges Ruhe- und Erholungsgebiet. Nach Vorliegen dieser Grundlagen bot nun die Checkliste ein wertvolles Hilfsmittel, um eine möglichst breite Palette an sinnvollen Massnahmen für die Erreichung dieser Ziele vorschlagen zu können. Die Checkliste wurde durchgegangen nach Massnahmen, die einen Beitrag leisten können zu den genannten Schlüsselzielen.

Daraus ergab sich die Auswahl folgender Massnahmen: Neuschaffen von verschiedenen Gehölzstrukturen (Einzelbäume, kleine Feldgehölze, Baumalleen), von Lesesteinhaufen, artenreichen Saumstreifen, Buntbrachen, extensiv genutzten Wiesenstreifen (Neuansaaten), von lichten Wäldern (teils durch forstliche Massnahmen, teils durch eine schonende Beweidung nach einer Auflichtung), von unbewirtschafteten "Urwald"- und Altholzinseln, von Stehgewässern und von ausgedolten Fliessgewässern. Aufwertung und Erweiterung der bestehenden Hochstamm-Obstgärten durch Neupflanzungen seltener, vom Aussterben bedrohter Obstsorten ("Arboretum") und der artenarmen extensiv genutzten Wiesen durch Ansaaten u.a. mit Heugrassaat. Aufstellen von Nisthilfen für Vögel und Fledermäuse, das Pflanzen markanter Hofbäume sowie eine Fassadenbegrünung sollen den Siedlungsbereich aufwerten. Nutzung des Wies- und Ackerlandes standörtlich differenzieren: Mosaiknutzung verstärken, Lagen mit geringerem Ertragspotenzial extensivieren und ökologisch aufwerten, Einführung zweier paralleler, an die unterschiedlichen Bodenverhältnisse angepasster Fruchtfolgen. Dazu kommen einige rein ästhetisch motivierte Massnahmen im Sinne von Schlüsselbereich 4: Gestaltungen mit Gehölzen und Einzelbäumen im Bereich der Verkehrswege, Pflanzen markanter Hofbäume sowie Fassadenbegrünung zur Aufwertung des Siedlungsbereiches, Initiative zu einer Umnutzung der als Abkürzung dienenden, einspurigen Durchgangsstrasse in einen Velo- und Wanderweg, sowie die Ausscheidung eines regionalen Erholungs-Vorranggebietes. Dies einige Beispiele von ortsspezifischen Massnahmen, die sich aus Gesprächen ergeben haben und die nicht in der Checkliste enthalten sind.

Die Checkliste im Rahmen planerischer Verfahren

Um bei einer Planung eines landwirtschaftlichen Betriebes einen Überblick über die aktuelle Situation zu gewinnen, stellen wir hier zwei Vorgehensweisen vor, die in Verbindung mit der Checkliste hilfreich sein können. Der Ökologische Betriebsspiegel wurde beispielhaft für Baden-Württemberg entwickelt, das Merkblatt zur Abschätzung der ökologischen Leistung auf dem Bauernhof bezieht sich auf die schweizerischen Verhältnisse. Auf der Ebene Landschaft bieten Vernetzungsprojekte und Landschaftsentwicklungskonzepte ein neues, effektives Instrument, um im Sinne und mithilfe der Checkliste weitgehende Aufwertungen zu realisieren.

Bei der Umsetzung der Massnahmen ist es bei allen drei Instrumenten wichtig, dass sie von Landwirten selber und aus Überzeugung durchgeführt werden und nicht von oben "verordnet" werden.

1. "Ökologischer Betriebsspiegel" und "Naturbilanz"

Im "Ökologischen Betriebsspiegel" (Oppermann 2001) sind alle ökologischen Leistungen, die auf den Betriebsflächen und rund um die Hofstelle auf einfache Art und Weise erhoben werden können, übersichtlich zusammengestellt. Insgesamt umfasst der Ökologische Betriebsspiegel rund 40 Kriterien in vier Bereichen (Landschaftsstruktur, Artenvielfalt, Betriebsführung/Hofstelle, Wirtschaftsweise). Für Betriebe von bis zu rund 100 ha ist das in einem Arbeitstag und bei Interesse vom Landwirt selber machbar. Die Erfassung der Ökologischen Leistungen ist Grundlage für eine Bewertung in Form einer "Naturbilanz". Hierbei werden die Ökologischen Leistungen auf einer 100-Punkte-Skala bewertet, wobei das Ziel von 100 Punkten so definiert wurde, dass einerseits damit eine Zielmarke vorgegeben ist, deren Erreichung eine nachhaltige Landbewirtschaftung im Sinne von Biodiversität und Naturhaushalt anzeigt und dass andererseits diese Zielerreichung für viele Betriebe bei entsprechenden Bemühungen durchaus realistisch möglich ist. Praxistests mit dieser Methode bei 10 Betrieben in einer Gemeinde am Rand des Schwarzwaldes haben bei vier Betrieben eine volle Zielerreichung ergeben (Oppermann 2001). Die Bewertung mit Punkten ermöglicht außerdem im Hinblick auf die Zukunft eine Entwicklung von Szenarien. Mit Hilfe der Naturbilanz werden vor allem die positiven ökologischen Leistungen hervorgehoben und ökologische Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt. Sie ist so ein Instrument zur Bewusstseinsbildung über die ökologische Situation der Betriebe. Die Naturbilanz kann als Ökologischer Leistungsnachweis auch gezielt für die Öffentlichkeitsarbeit verwendet werden, z.B. von direktvermarktenden Betrieben oder von Betrieben mit Feriengästen. Die Publikation ist beim Autor Rainer Oppermann erhältlich (6,-- Euro plus Versandkosten).

2. Merkblatt: "Welche ökologische Leistung erbringt mein Betrieb?"

Das Verfahren zur Ermittlung der ökologischen Leistung auf dem Bauernhof (Uehlinger & Reisner 2002) wurde speziell an die schweizerischen Verhältnisse angepasst, da gewisse Kriterien je nach Bewirtschaftungszone und Landschaftstyp unterschiedlich bewertet werden. Insgesamt sind 24 Fragen zu beantworten, eingeteilt in die Bereiche: Produktionsflächen, Tierhaltung, ökologischer Ausgleich und Landschaftsbild. Die Fragen sind so konzipiert, dass sie von den Landwirten ohne weitere spezielle Hilfsmittel beantwortet werden können. Das Merkblatt soll der Selbsteinschätzung dienen, um die eigenen Leistungen auf dem Hof zu beurteilen. So werden Möglichkeiten ökologischer Verbesserungsvorschläge aufgezeigt. Das Merkblatt ist an der FAL Zürich-Reckenholz erhältlich.


Literatur

Bosshard A., R. Oppermann & Y. Reisner 2002: Vielfalt in die Landschaftsaufwertung! Eine Ideen-Checkliste für Landwirtschaft und Landschaftsplanung. Naturschutz und Landschaftsplanung 34 (10), 300-308.

Bosshard, A. 2001: Vernetzungsprojekte und Landschaftsentwicklungskonzepte (LEK) in der Praxis. Raum und Umwelt Dezember 2001, 52-63. Schweiz. Vereinigung für Landesplanung (VLP), Bern.

HSR & SRVA (Hrsg.) (2002): Werkzeugkasten LEK. Eine Arbeitshilfe zum Erarbeiten von Landschaftsentwicklungskonzepten (LEK). Hochschule für Technik, Rapperswil, und Service romand de vulagrisation agricole, Lausanne.

Oppermann, R. (2001): Naturschutz mit der Landwirtschaft. Ökologischer Betriebsspiegel und Naturbilanz: Wie naturfreundlich ist mein Betrieb? Stuttgart / Singen, 56 S.

Uehlinger, G. & Reisner, Y. (2002): Welche ökologische Leistung erbringt mein Betrieb? Merkblatt Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), Frick/CH. 18 S.


Quelle: Bosshard A., R. Oppermann & Y. Reisner 2002.























 
© 2011 by Ö+L Büro für Ökologie und Landschaft GmbH, Litzibuch, CH-8966 Oberwil-Lieli